Aktionen

Beziehungen und Geschlechterrollen im Wandel der Zeit

Aus Newscontex

Warum die schwindenden Geschlechterrollen die Beziehungen auf die Probe stellen?

Im Idealfall sollte es so sein, dass die Familie ein Ort ist, der uns Kraft und Energie gibt, ein Ort, an dem wir Zuflucht finden. Emotionale Zuflucht. In den meisten kriselnden Beziehungen verkehrt die Funktion von einem Zuhause ins Gegenteil. Was soll man tun, wenn man sich in eigenen vier Wänden nicht wohl fühlt?

Umspannt mit einer individuellen Note, ist das Muster vieler Beziehungsetappen irgendwo gleich. Der Anfang vom Ende beginnt mit dem Versiegen der Kommunikation. Das ist der typische Weg des Auseinanderlebens. Ein Weg, der spiralförmig nach unten zieht, der es ab einem gewissen Punkt fast unmöglich macht, die Kurve zu kriegen. Der Mangel an Kommunikation führt nicht nur zu Missverständnissen, sondern ist meist der Beginn einer langsamen, aber sicheren Entfremdung. Der Mangel an Kommunikation führt zum mangelnden Körperkontakt und zum Ausbleiben von Liebesleben. Perfekte Voraussetzung für einen klassischen Beziehungsbruch. Wie evolutionieren aber viele Beziehungen unbemerkt von einer ursprünglichen Vergötterung des Partners zu einer emotionalen Kälte oder gar zum puren Hass?

Evolution und die Geschlechterrollen

Mann verlässt seine Familie

Fortpflanzungstrieb und Sex sind die treibenden Kräfte der Evolution. Der Natur ist es schnurzegal, ob die Beziehung in die Brüche geht oder nicht. Sie benebelt unseren klaren Verstand mit Hormonen, die in ihrer Wirkung den Opiaten in nichts nachstehen, und lässt uns die Fehler des Partners, die natürlich schon immer da waren, nicht bemerken oder mit Leichtigkeit über sie hinwegsehen, wenn man frisch verliebt ist. Die Natur flüstert uns ein, wir sollen tagein, tagaus mit dem Partner kopulieren. Es ist so toll! Das Programm, das auf Zeit ausgelegt ist, ist längst gestartet. Das Weibchen soll bald schwanger werden und Kinder gebären. Von der Verhütung weiß die Natur natürlich nichts. In bildungsfernen Schichten funktioniert dieses Programm oftmals noch sehr gut. Wie lange dauert eine durchschnittliche gescheiterte Beziehung? Richtig! Sieben Jahre. Zeit genug, ein, zwei Kinder zu zeugen, die groß genug sind, ohne Vater zu überleben. Der Auftrag der Natur ist erfüllt. Der nächste Auftrag ruft wieder zur Streuung der Gene.

Das ist natürlich ein stark vereinfachtes Modell, aber so funktioniert die Evolution, die in einer Spezies wie uns Menschen gipfelte. Irgendwann mal hat sich der Mensch die Institution der Ehe ausgedacht. Vielleicht um die Geschlechtskrankheiten einzudämmen, vielleicht um die Kontrolle über die Population einer Siedlung zu haben oder um die Besitzzugehörigkeiten zu regeln.

Die meisten, unabhängig voneinander entstandenen Gesellschaftsformen sind patriarchal. Entstanden sind sie nicht aus einer etwaigen Unterdrückung der Frau, sondern um die Geschlechter die ihnen angeborene Rollen zu verteilen. Mit einer dezenten dominanten Rolle der Männer. Männer gingen jagen und Frauen sammeln, Frauen passten auf Kinder auf und Männer verteidigten ihre Frauen und Kinder vor Raubtieren und verfeindeten Stämmen. Das funktionierte für Jahrhunderte, gar Jahrtausende sehr gut. Ich weiß nicht, ob es förderlich für das Überleben eines Stammes wäre, Quotenfrauen mit auf die Mammutjagd mitzunehmen.

Dass Männer meist eine Führungsrolle übernahmen basierte nicht nur auf physischer Stärke, sondern auf einer Reihe anderer Faktoren. Es gibt auch matriarchalen Gesellschaften wie die Tuareg in Nordafrika, die Mosuo in China oder die Irokesen in den USA und Kanada, wo Frauen Stammesälteste sind. Von einer Unterdrückung durch physische Gewalt kann also keine Rede sein.

Wir bleiben bei unserer westlichen Gesellschaft, einer Gesellschaft, die Demokratie, Aufklärung und Humanismus schuf. Werte, die es den Menschen weitgehend ohne viel Blutvergießen und selbstzerstörerische Metastasen wie Kommunismus einen Übergang von der feudalen Gesellschaft in die uns so selbstverständlich vorkommende Gesellschaft in Freiheit und Wohlstand ermöglichten.

Wie sah das ursprüngliche Ehemodell aus? Der Mann war das Familienoberhaupt, die erste Person, zu der man aufsah. Gab ihm seine Stellung einen Anlass, seine Frau zu unterdrücken? Keineswegs! Warum auch? Wenn die Beziehung auf gegenseitigem Respekt aufbaute, dann funktionierte sie auch. In aller Regel bis in den Tod. Wechselnde Beziehungen, Scheidungskrieg, Sorgerecht und Scheidungsanwälte sind Produkte der jüngsten Zeit, ein Ergebnis unseres narzisstischen Strebens nach einem individuellen Ich. Hat uns solch ein Umgang zwischen Mann und Frau glücklicher gemacht? Ich glaube, kaum.

Natürlich ist ein starker, gutmütiger Patriarch eine idealisierte Form. Es gab brutale Ehemänner und Trinker, aber auch zänkische Weiber, die ein Zusammenleben zur Hölle machten. Die Märchen sind voll davon. Schon in der Spätschrift des Alten Testamens steht: "Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen als bei einem bösen Weib. Wenn sie böse wird, verzerren sich ihre Züge, und sie verfinstert ihr Gesicht wie ein Bär." (Jesus Sirach 25, 23, 24) Die idealisierte Form eines gerechten Patriarchen, dem eine sanfte, fürsorgliche Ehefrau und Mutter steht, ist aber eine, aus meiner Sicht, erstrebenswerte Form, weil sie den evolutionsbedingten Geschlechterrollen am nächsten kommt und innerhalb der Familie für Harmonie sorgt.

Diese traditionelle Form der Beziehung zwischen Mann und Frau ist fest in die Wahrnehmung unserer Kultur verankert und wird in Literatur, Liedern und Volkserzählungen reflektiert. Das Bild einer schönen Jungfrau in Weiß zerschellt jedoch gnadenlos an der zeitgenössischen volltätowierten Zicke mit Zungenpiercing und einer reichhaltigen sexuellen Erfahrung.

Die vermeintliche Gleichstellung der Frau bringt das Gleichgewicht des Geschlechterumgangs durcheinander und irritiert die Männer. Männer, denen die Gesellschaft neue Formen des Umgangs mit der zweiten Hälfte diktiert, sind verunsichert. Bei Frauen, die einen starken Mann erwarten, in der Familie aber einen Partner antreffen mit gleichberechtigten Ambitionen, einen Partner, der sich unter dem ausgeübten Druck seiner Partnerin öfter fügt, solche ein männlicher Part büßt Respekt ein. Der Mann gerät ins Zentrum der Kritik. Ein gutmütiger Partner ohne Führungsanspruch überlässt der Frau die Zügel und lässt sie die gemeinsame Zukunft gegen die Wand fahren.

Das ist eine klassische Programmroutine, die eine wachsende Barriere zwischen den Parteien aufbaut.

  1. Die Frau verliert den Respekt vom Mann.
  2. Der Mann spürt es und zieht sich mehr in sich zurück. Findet neue Hobbys, verkriecht in der Garage.
  3. Die Frau ist noch mehr gereizt und fängt an, ihren Partner zu kritisieren.
  4. Der Mann reagiert entnervt, blockt ab oder reflektiert die Kritik, die im Streit ausartet.
  5. Parteien reden weniger miteinander oder reduzieren die Gespräche auf alltägliche Dinge. Wichtiges wird nicht mehr besprochen.
  6. Punkte 2 bis 4 wiederholen sich in einer Endlosschleife, die Kommunikation versiegt immer mehr.
  7. Auch der Körperkontakt wird weniger oder kommt ganz zum Erliegen. Der sexuelle Kontakt wird reduziert oder verschwindet irgendwann gänzlich. Die Spannung baut hier noch der Umstand auf, dass das Verlangen nach Sex oftmals nicht von beiden gleichermaßen ausgeht. Der eine will, während der andere blockt. Das sorgt für zusätzliche Reibereien.
  8. Immer mehr Kritik prasselt auf den Kopf des Mannes. Letzten Endes hat er das Gefühl, dass egal, was er anfasst, falsch ist. Die Briten sagen "Brainfuck" dazu.

Wenn man in der Familie nicht ein Mindestmaß an Respekt erfährt, wenn dein Gehirn wie bei einer chinesischen Folter einem permanenten Brainfuck ausgesetzt ist, wenn man als Sexualpartner Abweisungen erfährt, dann wird die Familie irgendwann nicht als ein Ort des Komforts, an dem man sich wohl fühlt, sondern ein Ort, an dem man permanenter Kritik ausgesetzt ist, ein Ort, an dem man erniedrigt und runtergezogen wird. Viele Männer suchen die Flucht in der Arbeit. Die Arbeit wird zu einem Ort, an dem man geschätzt und respektiert wird. Ein Ort, an dem man sich zurückziehen und seine Ruhe haben kann.

Die Stimmung der Frau ist eine Geißel, mit der sie den Mann kontrollieren kann. Heute mehr denn je. Dazu gibt es Studien wie diese hier. Oder wie das bekannte englische Sprichwort sagt: "Happy wife, happy life." Männer, die diesen Artikel lesen, sind bestimmt verzweifelt. Aber wohl noch nicht an dem Punkt angekommen, die Koffer zu packen. Vielleicht muss man sich überwinden und über eigenen Schatten springen. Den ersten Schritt tun, um die Beziehung wieder zu beleben. Wir sind Kinder unserer Zeit und können Verhaltensregeln und Normen der Gesellschaft nicht auf den Kopf stellen, auch wenn wir die Zusammenhänge zu begreifen wissen. Wenn man imstande ist, in seiner Partnerschaft noch etwas zu bewegen, sollte man es tun. Wenn nicht, steht bei dem zuvor zitierten Jesus Sirach: "Eine böse Frau schafft ein betrübtes Herz, ein trauriges Angesicht und Herzeleid. Eine Frau, die ihren Mann nicht glücklich macht, lässt seine Hände schlaff werden und lähmt seine Knie. (...) Will sie dir nicht folgen, verstoße sie!"

Und noch ein Appel an Frauen: Hört bitte auf, auf euren Männern herumzutrampeln und an jeder Kleinigkeit Kritik zu üben. Das treibt sogar einen Mann mit den stärksten Nerven in den Wahnsinn. Dass das kontraproduktiv für eine Beziehung ist, muss nicht extra erwähnt werden.