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Buchrezension: "Warum wir Putin stoppen müssen"

Aus Newscontex

Buchvorstellung "Warum wir Putin stoppen müssen", Garri Kasparow

Die Demokratie in Russland nimmt eine gefährliche Talfahrt. Der autokratisch regierende Putin beschneidet in seiner "Vertikale der Macht" immer mehr Bürgerrechte. Die Versammlungsfreiheit wird stark eingeschränkt, Opposition aktiv unterdrückt und passiv ausgegrenzt, gegen Andersdenkende und Minderheiten wird Hetze betrieben. Lange Zeit hat der Westen die Russlandpolitik als internes Problem abgetan, bis Russland sich erneut auf die aggressive Imperialpolitik des vorigen Jahrtausends besann.

Garri Kasparow, 2012

Garri Kasparow, 2012
David.Monniaux - Own work, CC BY-SA 3.0, [1]

Garri Kasparow ist im Westen nur den Schachkennern bekannt. Dabei engagiert sich der ehemalige Schachweltmeister, der 2005 seine Schachkarriere zugunsten der politischen Aktivität aufgab, schon länger für Demokratie und Menschenrechte in seinem Land. Für seine politische Tätigkeit diskreditiert und nicht ernst genommen - übliche Praxis in Russland für politisch Andersdenkende -, war Kasparow gezwungen, in die Vereinigten Staaten zu emigrieren.

In seinem Buch "Warum wir Putin stoppen müssen" versucht er eine Analyse der politischen Ordnung in Russland seit dem Fall der Berliner Mauer bis zum Abschluss der MH 17 in der Ostukraine. Kasparow argumentiert klug, scharfsinnig, mit strategischer Finesse eines Schachspielers. Der interessierte Leser, der sich mit der Geschichte und der Politik der Ostblockstaaten beschäftigt, erfährt aus dem Buch leider wenig was Neues. Trotz der Brillanz des Schachweltmeisters Kasparow liest sich das Buch an vielen Stellen langatmig. Immer wieder schweift der Autor auch zu Außenpolitik des Westens und gibt ihm die Schuld, dass die freie Welt ihrerzeit das kurze Aufblühen der russischen Demokratie nicht gefördert, dass sie die Entwicklung verschlafen hat.

Trotz allem ist dieses Buch all jenen zu empfehlen, die sich für die Entwicklung des Ostens interessieren, all jenen, denen Menschenrechte und Demokratie wichtig sind. Auch wenn vieles, was in diesem Buch dargestellt ist, bekannt ist, ist es vielmehr als politisches Plädoyer zu verstehen. Das politische Plädoyer eines Menschenrechtsaktivisten, Dissidenten und Vorsitzenden des internationalen Rates der Human Rights Foundation, der zufällig auch noch Schachtweltmeister war.