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Eskapismus und Sublimierung - unbewusste Flucht aus dem Alltag

Aus Newscontex

Welche psychologischen Mechanismen die Wahl unserer Hobbys und die Art unserer Freizeitgestaltung beeinflussen.

Sie haben ein interessantes Hobby und langweilen sich nie in Ihrer Freizeit? Sie lesen, schreiben, musizieren oder malen? Toll, würden viele dazu sagen. Nicht unbedingt, sagen Psychologen! Vielleicht ist Ihr Hobby nur eine Flucht aus der Realität.

Realitätsflucht oder Selbsttäuschung?

Realitätsflucht oder Selbsttäuschung?

In der allgemeinen Psychologie und Soziologie taucht in der Literatur Mitte des 20. Jahrhunderts der Begriff "Eskapismus" auf, der durch bestimmte Ablenkungsstrategien eine Flucht aus dem Alltag beschreibt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts formulierte Sigmund Freud den Begriff der "Sublimierung", die einen Schutzmechanismus beschrieb, allerdings mit einer Umlenkung der Energie auf gewisse kreative Tätigkeiten.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht! Die Unterschiede zwischen Eskapismus und Sublimierung sind, an einem profanen Beispiel erklärt, folgende:

Ein junger Mann will alle Mädchen seiner Schule haben, schafft es aber aufgrund seiner physischen oder mentalen Unzulänglichkeiten nicht mal mit einer davon auszugehen. Als Folge dessen färbt er seine Haare blau oder lässt ein dünnes Ziegenbärtchen wachsen und wird Teil einer Subkultur, in der er mit von gleichgesinnten Freaks umgeben ist. Das ist Eskapismus. Ein anderer junger Mann, dessen sexuelle Wünsche nicht mit Realität vereinbar werden, meldet sich bei WoW oder WoT an und erreicht dort eine Stufe, die kein normaler Mensch schaffen kann. Das ist Sublimierung.

Unterm Strich lässt es sich sagen, dass ein Hobby dann zum Eskapismus wird, wenn es einen so vereinnahmt, dass der Alltag und das soziale Umfeld vernachlässigt werden. Wenn der Kontrollverlust die Nebenbeschäftigung zum Lebensmittelpunkt macht, ist es ganz klar Realitätsflucht, also Eskapismus. Die Grenze zur Sucht ist dabei fließend. Häufig treibt es Betroffene in religiöse Vereinigungen, in die Spielsucht, in New-Age-Anschauungen oder in verschwörungstheoretische Weltmodelle.

Obwohl Sublimierung auch negativ besetzt ist, schafft sie jedoch mehr Potential für positive Entwicklungen einer Person. Oftmals suchen Menschen, die ihre oftmals unbewusst nicht erfüllte Sexualität befriedigen können, Beschäftigungen in kreativen Prozessen. Große Leistungen in Kunst, im Handwerk und in der Wissenschaft entstanden eben aus diesem Trieb.

Natürlich brauchen wir Abstand zum Alltag. Jeden Tag. Sonst werden wir von der Last der Aufgaben, der wiederkehrenden Abläufe erdrückt, werden krank. Es ist völlig normal, ein Hobby zu haben, sich abschalten zu können, vielleicht sogar darin große Leistungen zu erbringen. Wir dürfen nur nicht zulassen, dass wir dabei unsere Leben aus den Augen verlieren.