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Ostalgie - warum Menschen der Unfreiheit nachtrauern

Aus Newscontex

Anfang der Neunziger fielen die sozialistischen Staaten hinter dem Eisernen Vorhang in sich zusammen. Dennoch trauern viele dieser Zeit nach. Eine Analyse.

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama postulierte 1991 nach dem Zusammenbruch der UdSSR die These vom "Ende der Geschichte". Gemeint war, dass nach dem Scheitern der Idee einer kommunistischen Weltordnung und gebannter Gefahr eines Atomkriegs auf der ganzen Welt eine Ära der liberalen Marktwirtschaft, des Wohlstands und Demokratie eintreten würde. Ein Eden auf Erden. Nach der anfänglichen Euphorie stellte die Welt recht bald fest, dass sich die Zusammenarbeit der ehemaligen Rivalen doch nicht so entwickelte, wie sich der Westen es gewünscht hätte. Allen voran sträubte sich Russland gegen eine Annäherung an den Westen.

Ein Bus in St. Petersburg mit heroisierendem Stalinbild als Sieger über Nazideutschland

Ein Bus in St. Petersburg mit heroisierendem Stalinbild als Sieger über Nazideutschland
Bild Виктор Логинов (Viktor Loginov)

Aber auch in Deutschland stellte man im Verlauf der letzten Jahre immer mehr erschreckend fest, dass ein nicht unerheblicher Teil der ehemaligen DDR-Bürger sich zu den Verlierern der westlichen Gesellschaft zählen und sich nichts sehnlicher als die scheinbar einfach gestrickten Regeln eines sozialistischen Staates zurück wünschen. Warum ist das so? Warum riskierten viele Menschen ihr Leben und manche ließen es bei einem Fluchtversuch sogar, während andere ein Leben in Freiheit nicht einmal gratis wollen? Woher kommt diese "Ostalgie"? Schauen wir uns das Phänomen am Beispiel Russlands an.

Die sowjetische Herrschaft war eines der blutigsten und unmenschlichen Regimes des 20. Jahrhunderts. Die Bolschewisten ergriffen 1917 die Macht und regierten in einer Terrorherrschaft fast 70 Jahre über das Land. Sie rotteten Bauern aus und die Arbeitswilligen. Stattdessen unterstützten sie faule Taugenichts und ideologische Karrieristen. Die Bolschewisten vernichteten die gebildete Ober- und Mittelschicht. Einem Krebsgeschwür gleich, fingen sie an, die ihresgleichen aufzufressen. Ein Großteil der Gründer des Staats Sowjetunion wurde durch eben diesen Staat vernichtet. Der 1934 in Moskau abgehaltene XVII. Parteitag der KPdSU, tituliert als "Parteitag der Sieger" ging in die Geschichte als "Parteitag der Erschossenen" ein. Mehr als die Hälfte der Delegierten des Parteitags wurde zur Zeit der "Großen Säuberung" repressiert. Menschen mit Hang zum Denken, Arbeiten, Verändern und vor allem Fragen zu stellen wurden systematisch unterdrückt, bekämpft, gebrochen. Menschen mit Initiative konnten der Partei gefährlich werden.

Der "Große Terror" erreichte in den Jahren 1937 und 1938 seinen Höhepunkt, von einem Tauwetter konnte man aber erst nach dem Tod Stalins reden. Und genauso wenig ein Tauwetter noch einen Sommer macht, bedeutete das Ende Ära Stalins ein Ende der kommunistischen Diktatur. Chruschtschow, der seine Karriere unter Stalin als ein treuer Bürokrat begann genau in jener Zeit, als sein Vorgesetzter dabei war, die Intelligenz seines Landes auszurotten und sie durch ungebildete Werksarbeiter und ungehobelte Bauern zu ersetzen, übernahm Chruschtschow die Führung desselben Schiffs, das Stalin gesteuert hat. Die politische "Nekrophagie", seinem Vorgänger alle Übel der Welt anzulasten, steht in bester Tradition des kommunistischen Apparats. Geprägt hat den Begriff der ehemalige rumänische Spion Mihai Pacepa. 1978 floh der direkt Chruschtschow und Ceaușescu unterstellte Geheimdienstmitarbeiter der Securitate in die USA.

Dass Chruschtschow der Öffentlichkeit als einfacher Mann vom Lande vorgeführt wurde, war Teil der immerwährenden Desinformationskampagne in der Sowjetunion. Dass dieser vom Machtkampf durchtriebene Regime, wo man von einem Menschenleben als einem Problem sprach, ein Regime, welches Ronald Reagan als Inkarnation des Bösen bezeichnete, nicht gerade zimperlich mit seiner Bevölkerung und der der Satellitenstaaten umging, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Doch wie konnten Menschen so schnell diese, ihnen zugefügten grauenhaften Dinge vergessen und sich an die Vergangenheit in der Sowjetunion mit einer süßen Nostalgie erinnern?

Sowjetische Propaganda auf einer Briefmarke

Sowjetische Propaganda auf einer Briefmarke
Bild: USSR Post (gemeinfrei)

Natürlich gab es unter Chruschtschow und später unter Breschnew keine Massenverhaftungen und Erschießungen ohne Verhandlung. Das Leben ist ruhiger geworden, entspannter. Menschen konnten ihre bescheidenen Träume verwirklichen und sich einige Dinge leisten. Vorausgesetzt, man schwamm mit dem Strom. Wenn man nicht negativ auffiel und keine höheren Ambitionen hatte, mit denen man höhergestellten Parteigenossen schaden konnte, ließ es sich im System durchaus leben. Um ein Leben als Durchschnittsbürger zu leben, musste man sich auch nicht groß anstrengen. Die Existenz in diesem System bot sogar viele Vorteile. Dem Menschen wurde die Entscheidung abgenommen. Alles bestimmte die Partei. Niemand brauchte sich Sorgen zu machen, dass man ohne Arbeit blieb. Man wurde in irgendeinem Betrieb untergebracht. Ganz gleich, ob die Besetzung effizient war und Produktivität steigerte oder nicht. Zunächst bekam man ein Zimmer in einem Wohnheim und eine geraume Zeit später eine kleine Zwei- oder Dreizimmerwohnung in einem den zahlreichen Wohnblocks. Eine Wohnung, die man unter Umständen mit einem Untermieter teilen musste. Es wurde für einen bestimmt, welche Frisur man tragen und welche Musik man hören durfte. Die Partei hat einem erzählt, wer dein Freund war und wer dein Feind. Die Partei entschied für dich, in welcher Stadt du unter Umständen leben durftest und in welcher nicht, in welches Land dir zu reisen erlaubt war und in welches nicht. Wenn man das Pech hatte, gewissen Ethnien wie Deutscher oder Jude anzugehören, durfte man gar nicht erst ins Ausland. Ja, ja, im Nachkriegs-UdSSR war vom Zentralkomitee eine sehr aggressiv propagierte Antisemitismuskampagne eingeleitet. Verschleiert unter dem Begriff: "Kampf gegen die entwurzelten Kosmopoliten". Natürlich waren die Aufstiegschancen in einem Beruf sehr begrenzt. Für einen Parteilosen sowieso.

Dem Sowjetmenschen wurde von klein auf eingetrichtert, dass er nicht zu denken braucht. Alles für ihn erledigte die Partei. Das Leben eines Durchschnittsbürgers im "besten Land der Welt" war vorherbestimmt. Initiative wurde nicht gefördert, der Homo sovieticus musste lernen zu gehorchen.

Der Homo sovieticus war in Wirklichkeit ein Sklave, geboren in einem unfreien System, durchtrieben von Angst und Wut, eine Mischung, die man heute gerne als sowjetische Mentalität bezeichnet. Die Art von Mensch wurde geradezu gezüchtet. George Orwell hat die dahinterstehende Psychologie brillant in seinen Werken beschrieben. Der Abklatsch einer Gesellschaft, die auf dem Boden der Zwangskollektivierung entstand, war eine Gesellschaft aus Unfreien, gezüchtet über mehrere Generationen in der fast 70 Jahre andauernden sowjetischen Herrschaft. Eine Gesellschaft ohne eigene Meinung, eine Gesellschaft, die nur Befehle der Obrigkeit befolgte. Diese Erziehung begann bereits im Kindergarten und in der Grundschule. Das äußerte sich in vielen, den Russen vertrauten Sprüchen, die ein Herausstechen aus der Masse nicht guthießen: „Ты что, самый умный“ (Bist du schlauer als alle, oder was?), „Не беги впереди паровоза.“ (Lauf nicht vor der Lok.), „Не отрывайся от коллектива.“ (Reiße dich nicht von der Kollektive los.), „Не выделяйся.“ (Falle nicht auf.), „Будь как все.“ (Sei wie alle.), „Будь тише воды, ниже травы.“ (Wörtlich: Sei leiser als Wasser und niedriger als Gras., svw. Sei leiser als eine Maus.) „Моя хата с краю, ничего не знаю.“ (Mein Haus steht am Rande, ich weiß von nichts.). Ein in einem freien System groß gewordener Mensch würde die Frage, ob er schlauer als alle sei, als Kompliment auffassen. In der Sowjetunion prangerte man den Menschen damit an, erniedrigte ihn, beraubte ihn der Initiative, der Gedanken.

Diese Mentalität lebt lange nach dem Zerfall der Sowjetunion weiter und wird als eine Art Kultur an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Sie äußert sich in der mangelnder Bereitschaft, Eigenverantwortung für sich selbst sowie für die unmittelbare Umgebung zu übernehmen, in den Russen so vertrauten Schlamperei, dem Chaos und der Gesetzlosigkeit, gepaart mit übertriebenem Patriotismus, Imperialismusbestreben sowie Geschichtsklitterung, insbesondere zwischen 1917 und 1945, und natürlich der Nostalgie.

Ach, wie die Russen ihre Nostalgie lieben. Russische Musik klingt nostalgisch, russische Lieder, die russische Seele ist durchtränkt damit. Wahrscheinlich entstand die Nostalgie aus der Sehnsucht nach einem besseren Leben, einer besseren Welt und geht noch auf die Wurzeln der Leibeigenschaft zurück. Die Gegenwart ist trist, die Zukunft ungewiss, nur die Vergangenheit war besser. Schon immer. Und die Vergangenheit vieler Russen war die Sowjetunion.

Was machte die Sowjetunion in der kollektiven Erinnerung der dort geborenen Menschen aus? Das Brot war schmackhaft und billig, das Eis war lecker, das scheinbar sorglose Leben unter der Haube der sie schützenden Staates. Und was für eines Staates! Eines Staates, der Sputnik und den ersten Menschen in den Orbit schoss, eines Staates, der das Hitlerdeutschland besiegte, eines Staates, der die Weltpolitik bestimmte, von dem alle Ehrfurcht hatten und den alle fürchteten. Es war ein Staat mit Idee und Ziel. Na und, dass man für ein halbes Kilo Wurst zwei Stunden lang in Schlange anstehen musste und dass es kein Toilettenpapier gab. Dafür hatten die Russen Gagarin, den ersten Menschen im All.

So komprimiert und verzerrt sehen die meisten Sowjet-Nostalgiker ihre Vergangenheit. Ihr junges unbekümmertes Leben schien damals einen Sinn gehabt zu haben, sie bauten für sich und ihre Kinder eine strahlende Zukunft - den Kommunismus. Das Leben mag nicht ganz einfach gewesen sein, aber sie waren jung, hatten ein Ziel. Man besaß nicht viel, aber man war trotzdem zufrieden. Heute sind sie alt, krank, orientierungslos in der chaotischen modernen Welt, die auf maximalen Konsum ausgerichtet ist. Je weiter ihre Vergangenheit von ihnen abrückt, desto mehr schweben sie in der Erinnerung an ihre Jugend. Und diese Nostalgie ist nichts anderes als die Erinnerung an die Jugendzeit. Mal ehrlich, wer empfindet es nicht so, dass das Leben in der Jugend nicht viel einfacher war?

Was den meisten Menschen als die Goldene Ära der Sowjetunion in der Erinnerung geblieben ist, ist die Breschnew-Zeit, eine Zeit der Stagnation. Politisch und wirtschaftlich war der Sowjet-Staat bereits festgefahren, der Aufschwung der Vor- und Nachkriegszeit nahm deutlich ab. Innenpolitisch herrschte in Russland Ruhe, die Waren in den Läden waren noch nicht vom starken Defizit betroffen. Diese Zeit, die Ruhe vor dem Sturm, brannte sich ins Gedächtnis der meisten Nostalgiker ein.

Menschenschlangen in der Sowjetunion

Menschenschlangen in der Sowjetunion
Bild Л.П. Джепко

Wie war aber wirklich die sowjetische Realität? War sie wirklich so rosig? Die sowjetische Wirklichkeit bestand aus grauen, lieblos bebauten Städten, aus verbitterten, unhöflichen Menschen, die selten ein Lächeln zeigten. Ganz deutlich manifestierte sich diese Grobheit zwischen den omnipräsenten kilometerlangen Schlangen, in denen jeder versuchte, sich vor einem in die Schlange zu schmuggeln. Das Warendefizit und das ewige Anstehen kosteten Zeit und Nerven, gingen den Menschen physisch und psychisch an die Substanz. Die urbanen Metropolen waren, abgesehen von zentralen Plätzen, gekennzeichnet von heruntergekommener Architektur und neu errichteten seelenlosen Betonbausiedlungen mit schlechter Infrastruktur. Staub, riesige Pfützen, Müll und Schlamm waren je nach Jahreszeit allgegenwärtig.

Zeitlose Chruschtschowkas wie zu Sowjet-Zeiten

Zeitlose Chruschtschowkas wie zu Sowjet-Zeiten

Ähnlich den sozialen Brennpunkten in europäischen Städten trieben sich Jugendliche umher auf der Suche nach Beschäftigung. Ein großer Teil organisierte sich in Banden, die Einwohner und andere Jugendliche terrorisierten. Ihre Umtriebe reichten von Jugendstreichen und kleinkriminellen Tätigkeiten bis zu schweren Delikten. Jeder war mit jedem verfeindet. Ein Bezirk mit dem anderen, ein Stadtteil gegen den anderen Stadtteil, die Stadt selbst gegen die Dörfer. Als Jugendlicher konnte man verprügelt und ausgeraubt werden, wenn man sich auf fremdem Territorium aufhielt. Die Gefängnisse waren voll mit Minderjährigen. In einem Land, das die angebliche Kinderarbeit im Westen verurteilte und von seiner Justiz als der gerechtesten aller Länder sprach.

Die Kolchosbauern durften zwischen 1935 und 1974 ihre Dörfer und Siedlungen nicht verlassen. Sie besaßen nicht einmal Pässe. Trotzdem reichte die Kapazität der Kolchosen bei weitem nicht aus. Während der Ernte mussten ganze Betriebe und scharenweise Schüler ab der sechsten Klasse aushelfen.

Das vermeintlich günstige Brot und andere Grundnahrungsmittel waren gar nicht so preiswert wie es scheint. Rechnet man den Preis im Verhältnis zum damaligen Lohn um, waren Lebensmittel sogar deutlich teurer als Durchschnittspreise für Lebensmittel im heutigen Deutschland.

Man durfte nicht ohne Weiteres ins Ausland reisen. Bevor einem die Genehmigung erteilt wurde, Urlaub in einem der Länder der Ostblockstaaten machen zu dürfen, wurde man gründlich von der Partei sondiert und bürokratisch durchforstet, ehe einem die Erlaubnis erteilt wurde. In Länder des Klassenfeinds zu reisen war nahezu unmöglich. Und so träumten die noch verbliebenen kultivierten Menschen vergeblich davon, einmal im Leben Paris, Rom oder Florenz besuchen zu können. Seit Anfang der 1980er Jahre wurde das auch bis dahin rare Angebot in den Läden immer dünner. Kaum Wurstwaren und Fleisch, kaum Kaffee und Schokolade, kaum Hygieneprodukte wie Zahnpasta, Seife und Shampoo. Luxusartikel wie Toilettenpapier oder Damenbinden gab es nicht mal in fetten Jahren. Nur über Beziehungen oder auf dem Schwarzmarkt konnte man überhaupt etwas Anständiges erwerben. Warenartikel aus den sozialistischen "Bruderstaaten" wie Polen oder DDR waren für die Sowjetbürger Gipfel ihrer Träume. Ab 1980er Jahren fanden schleichend Lebensmittelkarten Einzug ins Leben der Bürger des mächtigen Imperiums.

Nach der gescheiterten Perestroika verschlimmerte sich die Situation so weit, dass die Betriebe den Arbeitslohn höchstens in Naturalien zahlen konnten. Zum Beispiel drei Kisten billigen Wein im Monat. Diese Zustände sind bei den Leuten hängen geblieben. Natürlich ging es ihnen in der spartanischen Zeit der UdSSR wirtschaftlich besser als in den 1990er Jahren. Die Nostalgiker assoziieren Freiheit mit Not, Armut und Kriminalität.

Putins Russland ist Sowjetunion 2.0

Seit Putin an die Macht kam, baute er langsam, aber sicher die Anfänge des demokratischen Russlands ab. Zunächst noch zögerlich, zeigte er spätestens seit seiner Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz im Jahr 2007 sein wahres Gesicht. Was hätte man auch von einem Ex-KGB-Agenten erwarten können? Das wäre ungefähr dasselbe, wenn nach dem Zweiten Weltkrieg ein ehemaliger Gestapo-Offizier zum Bundeskanzler gewählt worden wäre und man würde sich fragen, warum er immer wieder der Nazi-Vergangenheit nachtrauert.

Am 30. Dezember 2000 hat die seit den Sowjetzeiten vertraute Hymne mit neuem Text die seit wenigen Jahren bestehende Hymne abgelöst. Die pathetische Musik von früher, bei der man als Pionier strammstehen musste, war wieder präsent. Seit seinem Amtseintritt baute Putin langsam, aber sicher die Pressefreiheit ab, bis alle Pressestellen nur noch dem Staat unterstellt waren. Systematisch ersetzte er die demokratischen Institutionen durch scheindemokratische Konstrukte. Ein System, das er als "Vertikale der Macht" bezeichnete. Der "lupenreine Demokrat", wie ihn Gerhard Schröder bezeichnete, ließ die Verfassung ändern und hat seinen Posten scheinbar auf Lebenszeit installiert. Es gibt in Russland keine Versammlungsfreiheit mehr, obwohl sie rein formell erlaubt ist. Menschen werden verhaftet und abgeführt, wenn sie auf die Straße gehen. Für scheinbar harmlose Postings in sozialen Netzwerken werden mehrjährige Gefängnisstrafen wegen angeblichem Extremismus verhängt. Die Entwicklung gipfelte in der Annexion der Krim im Jahr 2014 und in der Teilbesetzung der Ostukraine durch prorussische Söldner. Seitdem ist das Land, wie zu Sowjetzeiten, mit Sanktionen belegt und international isoliert. Putin rasselt mit Säbeln und droht offen dem Westen. Die staatliche Propaganda arbeitet aggressiver als in der UdSSR. Der einzige Unterschied zu Sowjetunion besteht noch darin, dass dieser Staat keine ideologische Idee verfolgt. Noch darf man das Land verlassen - was Elite auch eifrig tut – und noch wird auf demonstrierende Menschen nicht scharf geschossen.

Warum sehnen sich die Menschen also nach dieser Zeit, wenn sie ehe geradezu darauf zusteuern? Weil Menschen auf der Suche nach einem Stück ihrer Vergangenheit sind. Einer Zeit, in der bekanntlich alles besser war. Einer Zeit, in der das Gras grüner, der Himmel blauer und der Wein süßer war. Bildlich betrachtet bleibt zu erwähnen, dass der Wein selten auf dem Tisch stand. Nun, wenn der Schrecken nachlässt, wrd die alte Zeit gute alte Zeit.