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Sobibor – Filmkritik

Aus Newscontex

Es ist sicherlich nicht leicht, einen neuen Holocaust-Film zu drehen, wenn man im Schatten solcher Werke wie "Das Leben ist schön", "Der Pianist" oder der Königsklasse von Steven Spielberg "Schindlers Liste" steht. Es ist ein schwieriges und wichtiges Thema, als dass man zu leichtfertig an die Verwirklichung herangeht. Die Handlung darf nicht pathetisch wirken, die Schauplätze und Figuren müssen historisch korrekt sein. All diese Punkte erfüllt Sobibor aus dem Jahr 2018 aber nicht.

Sobibor (kyrillisch „Собибор“) ist wahrscheinlich der erste russische Film über den Holocaust. In der Sowjetunion wurde der Mord an Juden nicht thematisiert. Die sowjetische Führung behandelte die Juden offiziell als Sowjetbürger. Dementsprechend wurden nicht Juden, sondern die Bevölkerung der Sowjetunion systematisch ermordet. Mit dem Film Sobibor tritt die russische Filmindustrie vorsichtig an dieses Thema heran.

Der Russe Konstantin Jurjewitsch Chabenski ist ein recht erfolgreicher und kein unbekannter russischer Schauspieler. Auch über die Landesgrenzen hinaus. Dem westlichen Publikum wurde er durch die Horrorfilme "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages" bekannt. Mit Sobibor spielt er nicht nur die Hauptrolle, sondern debütiert auch als Regisseur.

Sein Erstlingswerk lebt von visuell perfekt ins Licht gerückten Bildern. Die düstere Atmosphäre und bei diesem Genre mittlerweile klassisch gewordenen grünstichige Töne sollen den Zuschauer in die Welt des Zweiten Weltkriegs eintauchen. So weit, so gut. Doch dieser Perfektionismus der Bilder kommt einem überschärft und gekünstelt vor. Die Plätze und Statisten erscheinen szenenhaft, theatralisch. Sie wirken statisch und deshalb wenig realistisch. Die Deutschen sind ausnahmslos als blutrünstige Bestien dargestellt, ohne jeden Tiefgang. Idiotische Freaks, jeder mit einem kranken Fetisch fürs Quälen behaftet. Das ist die typische Darstellung der deutschen Besatzer in der russisch-sowjetischen Kinematographie. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Rolle des polnisch-jüdischen Insassen Leon Feldhendler, der maßgeblich an der Durchführung der Flucht beteiligt war, wurde durch die Figur eines Rotarmisten Leo ersetzt, gespielt vom litauischen Schauspielen Dainius Kazlauskas. Das ist Geschichtsklitterung und Verdrehung der Fakten.

Während man die oben genannten Filme kaum mit trockenen Augen zu Ende schauen kann, kommt bei diesem Film nicht der Hauch einer Emotion auf. Man will für die Figuren einfach keine Empathie entwickeln. Die schauspielerische Leistung ist durchschnittlich bis schlecht, die Dialoge kommen gestellt rüber. Selbst die Besetzung von Christopher Lambert, der den Kommandanten des Lagers Karl Frenzel spielt, kann den Film nicht über das Niveau einer Goldene Himbeere bringen.

Ein Film über den Holocaust ist nicht einfach nur ein Film. Darauf darf man dieses Thema nicht reduzieren. Solch ein Film darf nicht einfach unterhalten. Er muss eine ehrliche, authentische Geschichte erzählen, er muss aufklären, er muss Emotionen wecken. Sobibor wird dieser Aufgabe leider nicht gerecht.

Der offizielle Trailer

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