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Ukrainekonflikt: Abschuss des Passagierflugzeugs am 17. Juli 2014

Aus Newscontex

Heute vor fünf Jahren wurde der Linienflug der malaysischen Airline MH17 in der Ostukraine abgeschossen.

Man mag sich gar nicht vorstellen, was die Menschen im Flugzeug kurz nach der Explosion der Boden-Luft-Rakete in der getroffenen Maschine erlebt haben konnten. Fakt ist: Sie waren nicht sofort tot. Wie die Rekonstruktionen der Ermittler ergaben, explodierte die Rakete knapp oberhalb der Pilotenkabine. Die Splitter und die Druckwelle beschädigten das Flugzeug irreparabel und rissen es auseinander. Wahrscheinlich flog der Rumpf mit einem klaffenden Loch noch eine Weile weiter. Wie lange die Passagiere bei Bewusstsein blieben, kann wohl nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Erschreckend ist jedoch die Tatsache, dass die Leichen von Männern, Frauen und Kindern auf einem recht engen Korridor mehrere Kilometer voneinander entfernt gefunden wurden. Das spricht dafür, dass die Flugzeuginsassen noch lange mit dem auseinanderfallenden Rumpf mitflogen und einer nach dem anderen herausgesaugt wurden.

Ein Szenario, das man nicht in Worte fassen kann. Menschen regneten wie Hagelkörner vom Himmel. Sie fielen nicht nur auf Wiesen und Felder, sondern auch auf Dächer und in Gärten. Der Abschuss ereignete sich in der Nähe der Stadt Tores. Die Überreste der Maschine und der Insassen wurden auf einer Fläche von 35 km² verteilt. Viele Trümmerteile samt Menschen gingen über dem Dorf Hrabowe (russisch Grabowo) nieder. Die Bewohner vermuteten zunächst einen Bombenangriff, bis sie begriffen, was wirklich passiert ist.

Russlands Reaktion

Die Medien berichteten zunächst vom Sieg der prorussischen Kämpfer, denen es gelungen sei, ein ukrainisches Transportflugzeug abzuschießen. Einige Stunden später, als es bekannt wurde, dass es ein Passagierflugzeug war, änderten die russischen Medien sofort die Position. Demnach hieß es, die Kämpfer hätten gar nicht die Mittel, ein Flugzeug in so einer Höhe abzuschießen.

Fast jeden Tag brachte das russische Fernsehen eine neue Version des Geschehens heraus. Es hieß, der Absturz der Maschine sei eine Operation der CIA und alle Passagiere wären bereits im Flugzeug tot gewesen. Kurze Zeit später war die Verschwörungstheorie mit dem Flugzeug voller Leichen verworfen und die Medien proklamierten eine neue Wahrheit: Die ukrainischen Streitkräfte wollte die Regierungsmaschine des russischen Präsidenten Wladimir Putin abschießen. Ein nicht existierender spanischer Fluglotse will neben dem MH17 ein anderes Flugobjekt gesehen haben. Die russischen "Reporter" fanden einen Zeugen, einen alten Mann, der in zehn Kilometer Höhe den Abschuss der Maschine durch einen Abfangjäger beobachtet haben will.

Lange haben die Milizen es versucht, das Bergungsteam an der Sicherung der Absturzstelle zu hindern. Die meisten Leichen wurden durch die prorussischen Kämpfer in nahegelegene Leichenschauhäuser abtransportiert und andere wiederum in Säcken verpackt am Straßenrand liegen gelassen. Wie der abschließende Untersuchungsbericht bestätigte, haben die Separatisten versucht, jene Teile wegzuschaffen, die den Absturzgrund offenbarten.

Das russische Lenkwaffensystem Buk M1

Das russische Lenkwaffensystem Buk M1, Bild: .:Ajvol:., public domain

Die Untersuchung der Wrackteile hat ergeben, dass das Flugzeug von einer Buk-M1-Flugabwehrrakete getroffen wurde. Zahlreiche Smartphoneaufnahmen im Netz, teilweise von Rebellen selbst, teilweise von Zivilisten gemacht, belegen, dass am Tag des Abschusses eine Buk-Raketenanlage aus östlicher Richtung kommend unterwegs war. Weitere Aufnahmen zeigten die Anlage wieder in Richtung Russland fahrend. Jetzt nur noch mit drei, statt vier Raketen.

Entwickelt wurde das Buk-Flugabwehrraketensystem in den 1980er Jahren noch in Zeiten des Eisernen Vorhangs. Die Bedienung der Anlage ist sehr komplex und erfordert eine spezielle Ausbildung. Das heißt, zumindest die Besatzung der Buk bestand aus regulären Streitkräften der Russischen Föderation. Bis heute streitet die Regierung Putins eine Beteiligung Russlands am Abschuss der Maschine ab. Die Staatspropaganda sorgte dafür, dass diese Tragödie sogar in die Popkultur Einzug fand. Der 2017 verstorbene russische Satiriker Michail Sadornow scherzte wegen der Absturzursache: Das Flugzeug fiel vom Himmel, so Sadornow, weil Flugzeuge schwerer als die Luft sind. Wie bei einer "Pointe" üblich, erntete er dafür Lacher und Beifall im Saal.

Internationale Ermittlungen

Die Strafuntersuchung mit der Beteiligung der Niederlande, Australien, Belgien, Malaysia und der Ukraine machte anhand der Sicherung des Beweismaterials sowie auf der Basis von mitgeschnittener Kommunikation und Radardaten vier Personen aus, denen eine direkte Beteiligung unterstellt wurde. Darunter sind drei russische Bürger, der Rebellenkommandeur Igor Girkin (alias Strelkow), Girkins Stellvertreter Sergei Dubinsky und der damalige stellvertretende Geheimdienstchef der Rebellen in Donezk, Oleg Pulatow, sowie ein ukrainischer Bürger Leonid Kharchenko. Alle vier sollen sich in Russland aufhalten. Zu deren Ergreifung sind vier internationale Haftbefehle ausgestellt worden.

Im Übrigen wurde der Abschuss der Maschine als Kriegsverbrechen bewertet. Im Oktober 2014 leitete die deutsche Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen eines möglichen Kriegsverbrechens ein.