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Wann weiß man, wann es genug ist?

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Was hält eine zerrüttete Beziehung noch am Leben und wann ist es Zeit zu gehen?

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben die Erfahrung machen müssen, verlassen zu werden. Von einem Partner oder einer Partnerin, mit dem man das Bett und die intimste Nähe geteilt hat. Auch wenn die Kluft schon länger gewachsen war, ist die Erkenntnis, dass man sich von heute auf morgen fremd ist, ein Schock. Für den, der verlassen wurde, ist das ein Schock in zweifacher Hinsicht. Schock von der Handlung als solchen und Schock, wie eiskalt das der Partner durchzieht. Welche Mechanismen treiben einen Menschen dazu, so entschlossen zu handeln

Andere tragen die Last der Gedanken seit Jahren mit sich herum, die Beziehung zu beenden, schaffen es aber nicht, die endgültige Entscheidung zu fällen. Viele Faktoren schweben da mit, die den Entschluss erschweren, ihn immer weiter hinauszögern oder gar nie Wirklichkeit werden lassen. Was sind das für Gründe, die uns in unserer Entscheidungsfreiheit so lähmen?

Eine Frau verlässt ihren Ehemann

Gewohnheit
Gerade bei schlecht laufenden Beziehungen erstarren viele in ihrer Passivität. Es lässt sich irgendwie leben, irgendwie zu existieren. Aber man hat ein Dach über dem Kopf und auch was auf dem Teller. Den gewohnten Alltag, auch wenn er uns unglücklich macht, zu verlieren, bereitet vielen Angst. Angst von einem Riesenkrach, vom Unbekannten, von Ungewissheit, was als Nächstes kommt. Die Psychologen sprechen in diesem Fall von einem "gemütlichen Elend".
Kinder
Ein ganz wichtiger Punkt, der viele zerrütete Beziehungen und Ehen künstlich am Leben hält. Besonders Männer haben Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, dass der Kontakt eingeschrenkt wird, dass Mütter ihre Kinder gegen den Vater benutzen können.
Finanzen
Die finanzielle Unsicherheit ist für viele der ausschlaggebende Punkt, warum man noch an einer längst zerstörten Beziehung klammert. Beiläufig sagt man zwar immer wieder, dass das Geld nicht das Wichtigste sei. Aber das Geld ist eines der Faktoren, die einem Unabhängigkeit, ergo Freiheit geben, und einem einen gewissen sozialen Status ermöglichen. Ein Beziehungsbruch stellt diese wichtige Punkte auf die Kippe.
Intimität
Ist vielleicht nicht für alle ein Thema, aber doch für einige. Selbst wenn bei vielen zum Ende der Beziehung die Intimität auf der Strecke bleibt, müssen sich viele Männer nach dem Ende einer festen Beziehung auf eine lange Durststrecke einstellen. Die einen Suchen sich schnell eine neue Partnerin, die anderen flüchtige Abenteuer und der Rest findet einfach nicht so schnell jemand Neues.
Angst vor dem Alleinsein
Dem einen fällt das Alleinsein leichter, einem anderen jedoch schwerer. Vor allem Männer fürchten sich von diesem Zustand, weil die Kinder fast immer bei Müttern bleiben. Die ungewollte Einsamkeit kann sehr drückend sein und sogar zu Depressionen führen.
Angst vor Entgleisung
Machen wir uns nichts vor - Männer sind große Kinder. Viele Frauen halten ihre Männer im eisernen Griff. Tabak, Alkohol oder womöglich was Härteres sind in einer Beziehung tabu. Weil Männer ohnehin bekanntlich zur Selbstzerstörung neigen, haben viele Angst, in die Abhängigkeit zu verfallen und den Rest der Gesundheit zu zerstören.
Fassade
Die wenigsten geben es zu, aber für die meisten ist eine nach außen aufgebaute Fassade der wichtigste Grund, eine kaputte Beziehung künstlich am Leben zu erhalten. Fassaden um uns herum sind Teil unserer Träume, die wir plötzlich bröckeln sehen. Denn der Aufbau dieser Fassaden hat lange gedauert und hat viel Energie und Ressourcen gekostet. Wir bauen diese Fassaden um uns herum, um eine Illusion eines schönen Lebens zu zeichnen. Für unsere Freunde, unsere Verwandte, sogar für die Neider, und was am traurigsten ist, für uns selbst. Schau mal, was für ein Auto ich habe, was für ein Haus, eine schöne Frau, vielleicht sogar ein Boot. Mit dem Ende einer Beziehung fällt diese Fassade bei vielen wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Übrig bleibt eine Leere. Wir müssen uns selbst unser Scheitern und Versagen eingestehen.

Es kann schon einem Angst bereiten, wenn all diese Punkte zusammengenommen, plötzlich aus dem Leben verschwinden oder stark eingeschränkt werden. Diese Punkte zusammengenommen bilden bei vielen das eigentliche Leben, den Alltag. Andererseits, diese Gründe zu erkennen, kann uns vielleicht helfen, eine richtige Entscheidung zu treffen. Eine Trennung ist immer eine schmerzvolle Angelegenheit. Für den einen mehr, für den anderen vielleicht etwas weniger. Wenn Kinder im Spiel sind, potenziert sich das Leid noch um ein Vielfaches. Wenn eine Entscheidung aus dem Bauch heraus nicht möglich ist, dann vielleicht aus rationalen Überlegungen. Wie man es schön sagt: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."