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Corona - wie ein Virus die Welt verändert: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 25. März 2020, 17:11 Uhr

Gesellschaft im Griff der Pandemie

Noch vor einem Monat war die Welt in Ordnung. Jedenfalls für mich. Man machte seine bescheidenen Pläne: man ging seinem Alltag nach, plante eine Reise, kleine Umbauten am Haus, Autokauf... Mit einem Schlag waren diese Pläne über Bord geworfen. Mit einem Mal war es wichtiger, Vorrat an Klopapier zu haben.

Es ist erstaunlich, wie fragil unsere technokrate Gesellschaft ist, die, wie es schien, gegen jede Krise gewappnet war. Wir schauen uns so gern Filme auf Netflix & Co. über Endzeitszenarien. Und plötzlich sind wir selbst mittendrin. Erschreckend. Die Grenze zwischen Angst und Faszination ist fließend. Es ist so etwas wie Respekt vor einer Naturgewalt. Und diese Naturgewalt rollt gnadenlos über die ganze Welt. Wie eine biblische Prophezeiung aus der Offenbarung des Johannes.

Toilettenpapier ist heute die alternative Währung wie Zigaretten im Zweiten Weltkrieg

Es ist erstaunlich, wie sich die Psyche in kürzester Zeit auf eine Grenzsituation einstellen kann. Was noch nicht mal vor einem Monat wichtig schien, rückt jetzt in Hintergrund. Im Vordergrund steht das Überleben. Unwillkürlich fängt man an zu überlegen, wie lange man von den Reserven zerren, wie lange man die laufenden Kosten decken kann. Noch bin ich nicht in dieser Situation, aber die Gedanken drängen sich auf.

Auch wenn es mir noch gut geht, so gibt es in Deutschland bereits viele Menschen, die die Pandemie mit all ihren Folgen jetzt schon hart getroffen hat: Alleinerziehende, Selbständige, Kleinunternehmer, Gastronomiebetriebe... Die Liste lässt sich wahrscheinlich ewig fortsetzen. Und ob man will oder nicht - jeder ist irgendwo ein Glied in dieser Kette.

Sehr ärgerlich ist das asoziale Verhalten einiger Mitbürger: panische Hamsterkäufe, insbesondere das von Toilettenpapier, Verbreitung von Verschwörungstheorien, Leugnung der Gefahr oder das Anhuste von älteren Menschen durch Jugendliche zur allgemeinen Belustigung oder für Prank-Aufnahmen. Auch diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

In Zeiten der Not ist man sich selbst der Nächste. Abgesehen von einigen Ausnahmen spürt man nichts davon, dass Menschen in Not zusammenrücken. Soziale Distanzierung wortwörtlich. Wenn in einem Krieg das erste Opfer die Wahrheit ist, ist es während einer Pandemie wohl die Solidarität.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Entstehung von Neologismen zu beobachten, die die Zeit so mit sich bringt. Social distancing, Coronaparty oder Infodemie. Der Schaden durch Verbreitung von Panik und Falschinformationen ist mindestens genauso groß wie durch das Virus. Und die Verbreitung um einiges rasanter. Ignoranz gepaart mit mangelnder Bildung und Leichtgläubigkeit lässt Menschen an krudeste Verschwörungstheorien glauben oder ungeprüft eine Facebook- oder WhatsApp-Meldung an alle Freunde und Freundesfreunde weiterzuleiten. Dabei ist es doch so einfach. Es gibt Webseiten wie Wikipedia, das Robert-Koch-Institut, Doccheck, das Bundesgesundheitsministerium... um nur einige zu nennen. Nein, es ist doch viel einfacher, die Nachricht der Schwägerin, dass man gegen eine Coronainfektion einfach viel Wasser trinken soll, an alle, die man kennt, weiterzuleiten.

Es ist beängstigend zu beobachten, wie Staaten - Industrienationen - einer nach dem anderen in Krisen versinken. Und auf der anderen Seite Schwellenländer wie China und Russland scheinbar mit diesen Ausnahmezustand fertigzuwerden scheinen. Das liegt einfach daran, dass die zentralistisch regierten Länder mit straffer Militarisierung der Behörden und höriger Gesellschaft mit einer von Jahrzehnten des Kommunismus vorbereiteten Gesellschaft eine ganz andere Vorstellung vom Staat haben. Ob eine autoritäre Regierungsform gut oder schlecht ist, soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden. Im Ausnahmezustand haben diese Staaten deutlich effektivere Möglichkeiten, während man sich im föderalistischen Deutschland tagelang über Ausgangssperren berät. In Zeiten eines neuentflammten Konflikts zwischen Ost und West sollte das einem zu bedenken geben. Die Viruspandemie ist ein Lackmustest. Sie ist irgendwann mal vorbei. Putin und Xi Jinping schauen aber genau hin.