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Die zynischsten Sprüche der Geschichte: Unterschied zwischen den Versionen

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(Wladimir Putin)
 
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<big>„Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik.“</big>
 
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<big> „Жить стало лучше, жить стало веселее.“</big> So viel wie: „Das Leben ist besser geworden, es lebt sich jetzt fröhlicher.“
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Diese Worte sagte der „beste Freund aller Völker“ am 17. November 1935 anlässlich der Ersten Versammlung der „Stachanow“-Arbeiter und Arbeiterinnen. Diese Worte hinterlassen zumindest aus der heutigen Perspektive einen ironisch-sarkastischen Beigeschmack, weil sie im Vorfeld der großen Repressionen, die sich bereits ankündigten, ausgesprochen wurden.
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Antisemitismus hat eine lange Tradition. Nicht wenig hat dazu die Kirche beigetragen, indem sie die Menschen glauben ließ, Juden hätten Christus verraten und ihn somit umgebracht. Ganz Kind seiner Zeit, führte Luther diesen Gedanken fort und verfasste zahlreiche antijüdische Schriften. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland handelten Protestanten im reinen Gewissen mit sich selbst, weil ihnen der Judenhass bereits von früh auf direkt oder indirekt vermittelt wurde. Nicht zuletzt deswegen nahmen viele die Judenverfolgung kritiklos hin.
 
Antisemitismus hat eine lange Tradition. Nicht wenig hat dazu die Kirche beigetragen, indem sie die Menschen glauben ließ, Juden hätten Christus verraten und ihn somit umgebracht. Ganz Kind seiner Zeit, führte Luther diesen Gedanken fort und verfasste zahlreiche antijüdische Schriften. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland handelten Protestanten im reinen Gewissen mit sich selbst, weil ihnen der Judenhass bereits von früh auf direkt oder indirekt vermittelt wurde. Nicht zuletzt deswegen nahmen viele die Judenverfolgung kritiklos hin.
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[[Bild:RIAN archive 100306 Vladimir Putin, Federal Security Service Director.jpg|250px|thumb|Wladimir Putin<br>Bild: RIA Novosti]]
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<big>„Она утонула“.</big> „Es ist gesunken.“
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Man braucht nicht weit in die  Geschichte zurückzublicken, wenn man nach menschenverachtendem Zynismus Ausschau hält. Auch heutige Politiker und Autokraten lassen von Zeit zu Zeit ein unvorsichtigeres Wort fallen und offenbaren eigene Gleichgültigkeit und Zynismus zu einer bestimmten Situation. Wie allgemein bekannt, wurde der Anfang der Präsidentschaft von Wladimir Putin vom Unglück des Atom-U-Boots „Kursk K-141“ überschattet. Auf die Frage des US-Starreporters Larry King in der CNN-Liveschaltung, was mit dem russischen U-Boot geschehen sei, antwortete der frischgebackene Präsident lakonisch: „Es ist gesunken.“ Kurz und emotionslos, in bester Sowjet-Tradition. Es ist allgemein bekannt, dass Russland jede westliche Hilfe zur Rettung der Kursk abwies. Militärische Geheimnisse waren wichtiger als das Leben von 118 Matrosen und Offizieren.
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<big>„Приехали какие-то мужики и начали травить там бомжей“.</big> „Irgendwelche Typen kamen hin, um dort Penner zu vergiften.“
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So äußerte sich Putin anlässlich des Giftanschlags auf den ehemaligen Agenten Sergej Skripal und seine Tochter Julija in der englischen Stadt Salisbury mit dem Giftkampfstoff Novitschok. Um Zweifel zu streuen, dass es sich bei den zwei hauptverdächtigen Russen um GRU-Agenten handelte, versuchte Putin in einem Interview die Geschichte ins Lächerliche zu ziehen, dass „irgendwelche Typen hin [nach Salisbury] kamen, um dort Penner zu vergiften.“
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Wie wir wissen, sind Vater und Tochter dem Anschlag knapp mit dem Leben davongekommen. Weniger Glück hatte die 44jährige Britin Dawn Sturgess, eine völlig unbeteiligte Person. Sie kam durch eine Parfumflasche mit dem Gift in Kontakt. Das Fläschchen fand ihr Freund draußen. Auch wenn das Paar sozial benachteiligt war, so waren sie keineswegs obdachlos, oder wie Putin konstatierte - „Penner“.
  
 
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Aktuelle Version vom 29. November 2019, 20:50 Uhr

In Kürze liegt die Würze. Wir lieben Zitate und geflügelte Worte, weil sie komplexe Sachverhalte oftmals in einen einzigen Satz packen. Absolute Wahrheiten, die wir in der Aussage sofort erkennen und selten anfechten können. Meistens handeln diese Aphorismen von Liebe, Glück, Sehnsucht oder Lebensweisheit. Wir erkennen sofort starke Aussagen und denken uns, ja, da ist was dran. Manchmal sind die Aphorismen ironisch und bissig. Die Wahrheiten müssen nicht allen gefallen. Doch manchmal steckt in den Zitaten so tiefe Menschenverachtung, Kaltherzigkeit und Zynismus, dass einem das Blut in den Adern gefriert, wenn man diesen Zitaten begegnet.

Sehen wir uns aus der historischen Perspektive an, was einige Autokraten, Diktatoren, ihre Gehilfen, aber auch andere bekannte Menschen Zynisches von sich gegeben haben.

Lenin

„Die Freiheit ist etwas Wertvolles. So wertvoll, daß man sie nur portionsweise vergeben darf.“

Ein nicht ganz populäres Bild von Ilitsch aus einer Polizeiakte aus dem Jahr 1895
Bild: Wiki commons, lizenzfrei

In der Sowjetunion war Lenin mit einer Aura einer Gottheit umgeben. Sein gütiger Blick begleitete einen vom Kindergarten aus. Großväterlichen Lenin, wurde er von den Kindern genannt. Für viele Russen ist es dreißig Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus immer noch schwer, das Image des guten, fürsorglichen Lenin aus den Köpfen zu bekommen. Die Historiker sind sich weitgehend einig, dass der Kopf der russischen Revolution nicht minder blutrünstig als seine Nachfolger war. Er schuf die „Diktatur des Proletariats“ und unterzeichnete Erschießungsbefehle einschließlich der Zarenfamilie. Auch dieses Zitat ist von dem gütigen Großväterchen Lenin:

„Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen.“


Maxim Gorki

Der sowjetrussische Klassiker Maxim Gorki
Bild: Unbekannt - [1], Gemeinfrei, [2]

„Rottet die Homosexuellen aus – und der Faschismus verschwindet.“

Gorki, eigentlich Peschkow, gehört zum Vorzeigeschriftsteller des sowjetischen Realismus. Der proletarische Schriftsteller genoss in der Sowjetunion einen Sonderstatus und verbrachte im Ausland rund 18 Jahre, darunter 15 in Italien. Er war fünfmal für den Nobelpreis nominiert, bekam ihn jedoch nie, weil das Nobelpreiskomitee einen echten russischen Emigranten auszeichnen wollte. Gorki gehörte nicht zum Bild eines Dissidenten. Gesundheitsbedingt verbrachte er vor allem die Wintermonate in Italien und kehrte immer wieder in die Sowjetunion zurück. Ab 1932 ließ ihn Stalin nicht mehr ausreisen. Dafür stellte man ihm eine Datscha auf der Krim zur Verfügung.

Am 23. Mai 1934 veröffentlichte Gorki als einen direkten Auftrag Stalins eine Abhandlung in den Zeitungen „Prawda“ und „Iswestija“ unter dem Titel „Proletarischer Humanismus“, in der er eine Parallele zwischen Homosexualität und Faschismus zog.


Stalin

„Gibt es einen Menschen, gibt es ein Problem.“

Stalin

Josef Wissarionowitsch Stalin, Geburtsname Dschughaschwili gehört wohl zu den schlimmsten Verbrechern nicht nur des 20. Jahrhunderts, sondern wahrscheinlich zu den schlimmsten Verbrechern seit Anbeginn der Menschheit. Er war für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich. Wie viele es genau waren, kann nur schwer beziffert werden. Darunter waren nicht nur die Opfer politischer Repressionen zwischen 1936 und 1938, von denen allein rund 750.000 erschossen wurden, sondern auch Opfer von künstlich herbeigeführten Hungerkatastrophen im Zuge der Kollektivierung und der Planwirtschaft. Die meisten Opfer wurden in der Ukraine, an der Wolga, im Kuban-Gebiet und im Kasachstan verzeichnet. Unter internationalen Historikern ist es längst kein Geheimnis mehr, dass der Zweite Weltkrieg, doch nicht diese übermenschlichen Dimensionen erreichen werden könnte, wenn Stalin nicht gemeinsam mit Hitler zunächst als Verbündeter an der Teilung Europas beteiligt wäre. Traurig ist nur, dass die Figur Stalins vor allem unter den Befürwortern Putins eine neue Blüte erlebt und immer mehr Zustimmung in der Bevölkerung findet.

Auch wenn das nachfolgende Zitat nicht von ihm stammen soll, beschreibt es doch die Brutalität des Regimes in einem Satz:

„Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik.“

„Жить стало лучше, жить стало веселее.“ So viel wie: „Das Leben ist besser geworden, es lebt sich jetzt fröhlicher.“

Diese Worte sagte der „beste Freund aller Völker“ am 17. November 1935 anlässlich der Ersten Versammlung der „Stachanow“-Arbeiter und Arbeiterinnen. Diese Worte hinterlassen zumindest aus der heutigen Perspektive einen ironisch-sarkastischen Beigeschmack, weil sie im Vorfeld der großen Repressionen, die sich bereits ankündigten, ausgesprochen wurden.


Hitler

„Was für ein Glück für die Regierenden, daß die Menschen nicht denken!“

Hitler

Die Person Hitlers muss wohl nicht näher erörtert werden. Jeder kennt ihn. Laut einer Untersuchung von zwei US-amerikanischen Informatikern, die ihre Ergebnisse aus Google- und Wikipedia-Zugriffen auswerteten, belegt Adolf Hitler Platz 7 der Top 10 der bekanntesten Personen der Geschichte. Dieses Zitat stammt aus Aufzeichnungen des SS-Standartenführers Heinrich Heim. Hitler ließ diesen Satz zwischen dem 18. und 19. Januar 1942 in der berühmten Wolfsschanze fallen.


Hermann Göring

„Wer Jude ist[, ] bestimme ich!“

Hermann Göring
Bild: Gemeinfrei, [3]

Als treuer Gefolge Adolf Hitlers, war Hermann Göring maßgeblich an der Nazi-Maschinerie beteiligt. Er war unter anderem an der Gründung der Gestapo und an der Errichtung der ersten Konzentrationslager ab 1933 beteiligt. Er war Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Reichsmarschall und einer der einflussreichsten NS-Politiker. Als überzeugter Antisemit beauftragte er Reinhard Heydrich mit der Organisation der „Endlösung der Judenfrage“.

Da Juden schon seit Jahrhunderten in Europa und in Deutschland lebten, war es mitunter schwierig zu unterscheiden, wer als reinrassiger Deutscher und wer als Jude galt. Die Nazis führten ein System über „jüdische Mischlinge“ ein. Danach unterschied man zwischen Volljude, Halbjude, Vierteljude oder Achteljude. Viele Deutsche fürchteten, dass unter ihren Ahnen ein Jude vorhanden sein könnte. Dass eine klare Abgrenzung sich als schwierig erwies oder gar unmöglich war, beweisen Görings Worte.


Joseph Goebbels

Joseph Goebbels
Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1968-101-20A / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, [4]

„Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben.“

Goebbels ist den meisten als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda bekannt. Unter Zuhilfenahme neuer Massenmedien wie Radio und Film, der Nutzung einer demagogischen Rhetorik und inszenierten Reden verhalf er einer regen Zustimmung des Nazi-Gedankenguts und des Antisemitismus in der breiten Bevölkerung. Als treu ergebener Gefolgsmann von Hitler wollte Goebbels ohne seinen Führer und ohne nationalistisches Deutschland nicht mehr leben. Zusammen mit seiner Ehefrau Magda und den sechs gemeinsamen Kindern begingen sie Selbstmord einen Tag später nach dem Tod Hitlers.


Benito Mussolini

Benito Mussolini
Bild: Public Domain, [5]

„Man braucht ein paar hundert Tote, um sich an den Tisch der Sieger zu setzen.“

Der Gründer des italienischen Faschismus fühlte sich in großer historischer Gesellschaft und ließ sich in dieser Rolle gern präsentieren. Eine seiner größenwahnsinnigen Ideen war, das vergangene Römische Reich wieder erschaffen zu wollen. Mussolini, von seinen Anhängern Duce „Führer“ genannt, genießt bei vielen Italienern immer noch hohes Ansehen. Er ist in einer Familiengruft in seinem Geburtsort Predappio bestattet.


Martin Luther

Martin Luther
Bild: Gemeinfrei, [6]

„Was wollen wir Christen nun anfangen mit diesem verworfenen und verdammten Volk der Juden?“

Antisemitismus hat eine lange Tradition. Nicht wenig hat dazu die Kirche beigetragen, indem sie die Menschen glauben ließ, Juden hätten Christus verraten und ihn somit umgebracht. Ganz Kind seiner Zeit, führte Luther diesen Gedanken fort und verfasste zahlreiche antijüdische Schriften. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland handelten Protestanten im reinen Gewissen mit sich selbst, weil ihnen der Judenhass bereits von früh auf direkt oder indirekt vermittelt wurde. Nicht zuletzt deswegen nahmen viele die Judenverfolgung kritiklos hin.


Wladimir Putin

Wladimir Putin
Bild: RIA Novosti

„Она утонула“. „Es ist gesunken.“

Man braucht nicht weit in die Geschichte zurückzublicken, wenn man nach menschenverachtendem Zynismus Ausschau hält. Auch heutige Politiker und Autokraten lassen von Zeit zu Zeit ein unvorsichtigeres Wort fallen und offenbaren eigene Gleichgültigkeit und Zynismus zu einer bestimmten Situation. Wie allgemein bekannt, wurde der Anfang der Präsidentschaft von Wladimir Putin vom Unglück des Atom-U-Boots „Kursk K-141“ überschattet. Auf die Frage des US-Starreporters Larry King in der CNN-Liveschaltung, was mit dem russischen U-Boot geschehen sei, antwortete der frischgebackene Präsident lakonisch: „Es ist gesunken.“ Kurz und emotionslos, in bester Sowjet-Tradition. Es ist allgemein bekannt, dass Russland jede westliche Hilfe zur Rettung der Kursk abwies. Militärische Geheimnisse waren wichtiger als das Leben von 118 Matrosen und Offizieren.

„Приехали какие-то мужики и начали травить там бомжей“. „Irgendwelche Typen kamen hin, um dort Penner zu vergiften.“

So äußerte sich Putin anlässlich des Giftanschlags auf den ehemaligen Agenten Sergej Skripal und seine Tochter Julija in der englischen Stadt Salisbury mit dem Giftkampfstoff Novitschok. Um Zweifel zu streuen, dass es sich bei den zwei hauptverdächtigen Russen um GRU-Agenten handelte, versuchte Putin in einem Interview die Geschichte ins Lächerliche zu ziehen, dass „irgendwelche Typen hin [nach Salisbury] kamen, um dort Penner zu vergiften.“

Wie wir wissen, sind Vater und Tochter dem Anschlag knapp mit dem Leben davongekommen. Weniger Glück hatte die 44jährige Britin Dawn Sturgess, eine völlig unbeteiligte Person. Sie kam durch eine Parfumflasche mit dem Gift in Kontakt. Das Fläschchen fand ihr Freund draußen. Auch wenn das Paar sozial benachteiligt war, so waren sie keineswegs obdachlos, oder wie Putin konstatierte - „Penner“.

Tags

zitate aphorismen zynismus